In 10 Schritten zum Freelancer

In 10 Schritten zum Freelancer

Was muss ich tun um mich Selbständig zu machen? Die ersten 10 Schritte sind hier aufgelistet und geben dir eine Orientierung für einen sauberen Start ohne Überraschungen.

1. Finde einen Auftraggeber

  • Du musst kein Gewerbe haben, bevor du deinen ersten Auftrag hast, also kümmere dich zuerst um das wichtigste: den Auftrag
  • Präsentier deine Referenzen! Bevor du dich selbständig machst, hast du sicher in deinem Gebiet Referenzen gesammelt. Die sind nun dein Kapital und so solltest du sie auch behandeln.

2. Freiberufler oder Gewerbe?

  • Als Freiberufler brauchst du kein Gewerbe anzumelden, von daher zahlst du auch keine Gewerbesteuer.
  • Aus diesem Grund wird das Finanzamt wahrscheinlich versuchen, dich in die gewerbliche Ecke zu stecken, auch wenn deine Arbeit eigentlich freiberuflicher Natur ist.
  • Freiberufler sind z.B. Jornalisten & Designer, aber bei einem Webdesigner ist dies schon wieder umstritten.
  • Ob du als Freiberufler eingestuft wirst, kannst du in dieser PDF herausfinden:
    Abgrenzung von “Freiberuflern” und “Gewerbetreibenden” auf www.freie-berufe.de

3. Gewerbe anmelden

  • Wenn du nicht als Freiberufler anerkannt wirst, dann geht dein nächster Gang zum Ordnungsamt.
  • Dies ist der wohl einfachste Schritt in die Selbständigkeit. Ein kleines Formular, eine geringe Gebühr (um die 20,00 € ) und fertig!

4. Kleinunternehmerregelung

  • Es hat viele Vorteile und einige Nachteile, wenn du Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausweist.
  • Idealerweise beschäftigst du dich von Anfang an mit diesem Thema und fällst eine Entscheidung, die für dich am günstigsten ist.
  • Wichtig: Deine Entscheidung ist immer von Jahresanfang an gültig und wenn du dich für die Umsatzsteuer entschieden hast, ist dies für fünf Jahre bindend.
  • Weiter Informationen zum Thema Kleinunternehmerregelung findest du hier:
    Kleinunternehmer – Umsatzsteuer?

5. Der Fragebogen vom Finanzamt

  • Dies ist wieder einer der einfacheren Schritte.
  • Das Formular bekommst du automatisch zugeschickt und du musst es lediglich ausfüllen.
  • Vorsicht bei den Gewinnschätzungen! Hier solltest du realistisch kalkulieren. Wenn du zu hohe Werte angibst, kann es sein, dass das Finanzamt eine Steuervorauszahlung von dir haben will.
  • Wenn du hinterher mehr verdient hast als vorher angegeben, kannst du dies immer noch korrigieren.

6. Die Krankenversicherung

  • Selbständige und Freiberufler haben stets die freie Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Bei der privaten Krankenversicherung gibt es verschiedene Tarifmodelle bei den Versicherern. Wobei natürlich der Grundsatz gilt: je weniger du zahlst, desto weniger bekommst du. Dann hast du noch die Möglichkeit dich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern.
  • Die zwei häufigsten Ausnahmen sind noch zu nennen. Als Student hast du die Möglichkeit in die studentische Versicherung der gesetzlichen Krankenkasse zu kommen. Der Beitrag ist hier besonders niedrig (ca. 60,00 € im Monat). Allerdings hast du die Einschränkung, dass du nicht dauerhaft mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten darfst.
  • Auch die privaten Versicherer bieten Tarife für Studenten an. Hier gibt es weniger oder keine gar keine Einschränkungen, jedoch zu höheren Tarifen.
  • Die andere große Ausnahme sind freiberufliche Designer, Künstler und Publizisten.
    Gehört man dieser Gruppe an kann man in die Künstlersozialkasse. Vereinfacht gesagt funktioniert dies so, als ob du ein Arbeitnehmer bist und der Arbeitgeberanteil deiner Versicherung von der KSK bezahlt wird.
  • Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zur KSK: www.kskontra.de

7. Erledige deinen ersten Auftrag

  • Hierbei kommt man oft in die Zwickmühle sich zu günstig zu verkaufen, um überhaupt an einen Auftrag zu kommen.
  • Sei dir stets bewusst, dass du den Preis den du einmal für deine Arbeit nimmst, später nur schwer nach oben korrigieren kannst.
  • Wenn du keine oder wenige Referenzen hast, kann es sich eventuell lohnen, mal einen oder zwei Aufträge günstig anzubieten, um sich danach mit diesen zu bewerben. Wäge dies aber gut ab und lass dich nicht ausnutzen.

8. Erstelle eine korrekte Rechnung

  • Wenn du Umsatzsteuer ausweist, muss deine Rechnung korrekt aufgebaut sein, sonst kann dein Kunde die Umsatzsteuer nicht absetzen.
  • Was du dabei alles beachten musst findest du hier:
    Ordentliche Rechnung

9. Denk an die Steuern

  • Steuern zahlst du als Freelancer nicht sofort, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
  • Umsatzsteuer führst du monatlich, quartalsweise oder jährlich an das Finanzamt ab, Einkommensteuer und Gewerbesteuer zahlst du erst im nächsten Jahr.
  • Es empfiehlt sich hier ein drei-Konten-Model, um den Überblick zu behalten über welchen Betrag du überhaupt verfügen kannst:
  1. Ein Konto (Girokonto), das du auf deiner Rechnung angibst und somit für die Zahlungseingänge da ist.
  2. Ein Konto für die Umsatzsteuer. Hier überweist du, nachdem eine Rechnung bezahlt wurde, die enthaltene Umsatzsteuer. Nachdem du deine Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben hast, bucht das Finanzamt diesen Betrag (abzüglich deiner gezahlten Vorsteuer) wieder ab.
  3. Ein Konto für Rücklagen. Hier überweist du nach jeder Rechnung einen Betrag hin, mit dem du einerseits die Einkommensteuer und Gewerbesteuer bezahlst andererseits auch schlechte Zeiten überbrückst. Wie hoch dieser Betrag ist, hängt von deinem Umsatz und deiner Auftragslage ab. Dies musst du selbst abschätzen.

10. Altersvorsorge

  • Als Freelancer solltest du dir dringend (!) Gedanken über deine Altersvorsorge machen.
    Dies gilt zwar grundsätzlich auch für jeden Arbeitnehmer, aber als Selbständiger fällst du aus der gesetzlichen Rentenversicherung heraus.
  • Hier solltest du dich entsprechend beraten lassen und dich freuen, denn du musst nicht in ein Rentensystem einzahlen, bei dem du nicht weißt, ob du überhaupt noch etwas heraus bekommst.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Beratung dar,
sondern gibt lediglich die Meinung des Verfassers wieder. Irrtümer und Fehler vorbehalten.

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52 Kommentare zu “In 10 Schritten zum Freelancer”

  1. Thomas

    30. Sep, 2011

    Finde ich sehr gut und hilfreich diesen Artikel. Wie oben schon erwäht, ist gerade die ungeliebte Steuererklärung ganz wichtig. Wenn man hier nicht aufpasst, kann es sehr schwierig werden. Kann wirklich nur jedem empfehlen getrennte Konten für Steuern, Einnahmen, etc. zu haben :) .

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. karl

    27. Jan, 2012

    Der Artikel ist wirklich sehr hilfreich für mich. Vielen Dank dafür!

    Zu der Nummer 1 habe ich eine Frage: ich kann mir jetzt einen Auftrag suchen, Geld kassieren – und erst dann ein Gewerbe anmelden? Gibt das keinen Ärger?

    Wann muss dann spätestens das Gewerbe angemeldet werden?

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