Freiberufler oder Gewerbe?

Freiberufler oder Gewerbe?

Bei dem Wort Freelancer denken viele an einen Freiberufler. Dies kommt nicht nur durch die vermeintliche Ähnlichkeit der Worte, sondern auch durch das mangelnde Wissen über den Freiberuf.

Letztlich bedeutet Freelancer nur, dass du ein freier Mitarbeiter bzw. selbständig bist. Ob du dafür ein Gewerbe brauchst oder tatsächlich einen freien Beruf ausübst, erfährst du in diesem Artikel.

Den Freelancer als solchen gibt es im deutschen Steuerrecht nicht. Entweder ist deine Tätigkeit freiberuflich oder du musst ein Gewerbe anmelden.

Was ist ein Freiberufler?

Grob gelten drei Kriterien, die deine Tätigkeit erfüllen muss, um freiberuflich zu sein:

  1. Du bietest eine Dienstleistung an und kein Massenprodukt.
  2. Du hast einen entsprechenden Hochschulabschluss oder eine schöpferische Begabung.
  3. Deine Dienstleistung hängt von deinem Fachwissen und deinem Arbeitseinsatz ab.

Typische freiberufliche Tätigkeiten üben also u.a. diese Berufe aus:

  • Designer, Grafiker & Illustratoren
  • Journalisten, Texter & Schriftsteller
  • Künstler
  • Musiker

Bei den Künstlern und Designern nimmt sich jedoch das Finanzamt das Recht heraus selbst zu beurteilen, wann der notwendige künstlerische Grad erreicht ist. Im übrigen ist der Status Freiberuf bei Designern ohnehin strittig, als Illustrator übst du einen Freiberuf aus, als Webdesigner in der Regel jedoch nicht.

Um für dich selbst Klarheit zu schaffen, kannst du dich entweder direkt an das Finanzamt wenden oder bei deiner IHK anrufen und dich beraten lassen. Auch Berufsverbände helfen hier weiter, jedoch oft nur für zahlende Mitglieder.

Für Designer ist hier beispielsweise der AGD (Allianz deutscher Designer) zu nennen. Dort bekommst du zahlreiche praktische Tipps in Form von Sachinfos oder direkt am Telefon. (Der Beitrag liegt bei 240,00 € im Jahr und beinhaltet zudem eine professionelle Steuer- und Rechtsberatung am Telefon oder per E-Mail)

Vorteile des Freiberuflers:

Aber wo liegt überhaupt der Unterschied? Was bedeutet es konkret wenn du Freiberufler bist?

  • Du brauchst kein Gewerbe anzumelden.
  • Du musst also auch keine Gewerbesteuer zahlen.
  • Ebenso fällt auch der Eintrag ins Handelsregister weg.
  • Du bist kein Mitglied der IHK.
  • Du brauchst keine doppelte Buchführung und musst keine Bilanz abgeben.
  • Es reicht wenn du eine EÜR (Einnahmenüberschussrechnung) beim Finanzamt einreichst.

Pflichten des Gewerbetreibenden:

  • Du musst ein Gewerbe anmelden.
  • Somit musst du auch Gewerbesteuer zahlen.
  • Du musst Mitglied in der IHK werden.

Wenn du mit deinem Gewerbe aus dem Stadium des Kleingewerbes hinaus bist, kommen zudem weitere Einschränkungen und Pflichten auf dich zu.

  • Du musst dich im Handelsregister eintragen.
  • Eine jährliche Bilanz für das Finanzamt ist Pflicht.
  • Entsprechend musst du auch eine doppelte Buchführung führen.

Der Freiberufler hat also klare Vorteile gegenüber dem Gewerbetreibenden!
Und somit ist es auch kein Wunder, dass du im Zweifel den Freiberuflerstatus beim Finanzamt erkämpfen musst.

Die Künstlersozialkasse: KSK

Ein weiterer großer Pluspunkt für Freiberufler ist die KSK.
Diese staatliche Einrichtung ermöglicht es Künstlern, Publizisten (und neuerdings auch Webdesignern – ohne Freiberufler zu sein) kostengünstig in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und sozialen Pflegeversicherung versichert zu sein.

Vereinfacht gesagt funktioniert dies so, dass die KSK den Arbeitgeberanteil der Versicherungen übernimmt und du quasi als normaler Arbeitnehmer bei den Kassen versichert bist. Somit musst du keine teuren privaten Versicherungen bezahlen oder dich (auch teuer) freiwillig in die gesetzliche Versicherung begeben.

Ist man als Freiberufler eingeschränkt?

Oft melden Freelancer von Anfang an ein Gewerbe an, weil sie Angst haben sonst keine gewerblichen Tätigkeiten ausüben zu dürfen.

Dies stimmt jedoch nicht, denn als Freiberufler darfst du auch zusätzlich ein Gewerbe ausüben. Allerdings muss dieses klar von deiner freiberuflichen Tätigkeit abgegrenzt sein. Und dies mit allen Konsequenzen: getrennte Buchhaltung, getrennte Konten usw.

Und natürlich musst du für die gewerbliche Tätigkeit auch ein Gewerbe anmelden, mit allem was dazu gehört.


Dieser Beitrag stellt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Beratung dar,
sondern gibt lediglich die Meinung des Verfassers wieder. Irrtümer und Fehler vorbehalten.

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75 Kommentare zu “Freiberufler oder Gewerbe?”

  1. Kai

    29. Jul, 2015

    Es sollte noch erwähnt werden, dass bis zu einem Hebesatz von 380% für Gewerbesteuer diese auf die Einkommenssteuer voll angerechnet werden kann. Somit zahlt man nicht mehr als ein Freiberufler. Liegt der Hebesatz allerdings höher, wird wenigstens ein Teil der Gewerbesteuer kompensiert.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Ratsuchender

    30. Aug, 2015

    Vielen dank für die genaue Erklärung!

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Inna

    10. Sep, 2015

    Hallo an alle,

    wenn ich als juristische Schreibkraft von zu Hause aus arbeiten will (max. 400 € nebenberuflich, entspr. Hochschulabschluss), darf ich mich aufgrund der Beherrschung juristischer Sprache etc. als Freiberufler bezeichnen?

    MfG

    Inna

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Alex

    21. Okt, 2015

    Eine weitere Anmerkung zur Abgabe an die Künstlersozialkasse:

    Letztere fällt für Aufträge an Selbstständige an. Der Auftragnehmer selbst muss dabei gar nicht bei der Künstlersozialkasse versichert sein.

    Die Künstlersozialabgabe entfällt aber, wenn ein Auftraggeber bspw. eine Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt) oder GmbH beauftragt. In diesen Fällen unterliegen allerdings die von der UG oder GmbH an den selbständigen Künstler gezahlten Entgelte der Abgabepflicht.

    Weitere Details finden sich auf der Homepage der Künstlersozialkasse, Bereich FAQ.

    Auf diesen Kommentar antworten
  5. codinsights

    17. Apr, 2016

    just I want to say it’a very nice post .and well describe , anyone can get his problem solutions .

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  6. jens

    17. Mai, 2016

    Für Freelancer wird es gerae Eng, da vemehrt auf Scheinselbständigkeit geprüft wird. Daher stellen die Verlage im Hamburg kaum noch Freelancer ein. Und als Scheinselbständigkeit wird schon eine regelmäßig Buchung ausgelegt, egal ob man auch mehrere Kunden hat …

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  7. Onlinemarketing-Sonntag

    22. Mai, 2016

    Dieser Artikel ist wirklich sehr hilfreich. Ich hatte vor der Gründung auch jede Menge Fragen. Die meisten Fragen habe ich gut erklärt hier gefunden.

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  8. Malinka

    14. Jun, 2016

    Vielen Dank für den tollen Artikel. Die Vorteile liegen klar auf der Hand – vor allem in Richtung Finanzbuchhaltung. Eine EÜR ist bei weitem nicht so aufwendig und teuer wie beim Gewerbetreibenden. Weiter so!

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  9. Erich

    16. Jun, 2016

    Sehr interessant, was hier für gefährliches Halbwissen verbreitet wird……

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    • Anton Goldberg

      12. Jul, 2016

      @ Erich: So drastisch würde ich es nicht ausdrücken. Aber die Informationen sind unvollständig, lassen einige Aspekte mehr oder weniger unberücksichtigt und könnten daher zu einer Fehleinschätzung bzgl. des Verhältnisses von Freiberuflertum und Gewerbetreibendem führen und somit evtl. auch zu einer falschen persönlichen Konsequenz… Insofern hast Du tendenziell sicher recht. Ob´s dann für den Einzelnen auch gefährlich wird, mag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls ist es so, dass man in bestimmten Fällen ein Gewerbe anmelden muss – auch wenn man das Leben als Freelancer noch so schön findet.

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  10. Williambor

    17. Jun, 2016

    Hey, thanks for the forum.Really thank you! Delmas

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  11. Edenz

    25. Jul, 2016

    Vor meine Gründung hätte ich auch viele fragen, aber nach 6 Jahren bin ich sehr zufrieden! Vielen Dank!

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